Wo ich Stift und Papier noch in Ehren halte

Kein Zweifel: Die Digitalisierung hat in unserer Branche viele Prozesse enorm beschleunigt und vereinfacht. Erinnert sich noch jemand an die Zeiten, als Presseinformationen per Post verschickt wurden? Das bedeutete: Hunderte von Papierseiten kopieren, sortieren, heften, eintüten, adressieren, frankieren und zum nächsten Postamt schleppen – eine umständliche, zeitaufwendige Angelegenheit. Und heute? Ein paar Klicks, und schon landet die Aussendung punktgenau und zeitgleich in den Mailboxen sämtlicher Adressaten. Wenn das keine Erleichterung ist! Und es ist nur einer von vielen Arbeitsprozessen, die man nennen könnte.

Dennoch gibt es eine Reihe von Tätigkeiten, die ich nach wie vor analog ausübe, sprich: mit Stift und Papier. Etwa das Mitschreiben bei Gesprächen, Meetings oder Telefonaten. Mag sein, dass versierte Schnelltipper das inzwischen per Laptop oder Tablet hinbekommen, aber zu denen gehöre ich nicht.

Davon abgesehen finde ich es auch wenig kommunikativ (oder auch: unhöflich), meinem Gegenüber während eines Gesprächs nicht in die Augen sehen zu können, weil ich die ganze Zeit am Monitor oder Display klebe. Geht gar nicht. Für solche Fälle halte ich weiterhin Stift und Papier in Ehren. Das selbstentwickelte Behelfs-Steno, das ich dabei zu Papier bringe, kann zwar keiner außer mir entziffern, aber das nehme ich in Kauf.

Eine andere Sache ist das Korrekturlesen von Texten. Das habe ich bisher immer mit Ausdrucken gemacht. Wir verwenden dafür in unserer Agentur zwar seit einigen Jahren nur noch einseitig beschriebenes Schmierpapier, aber trotzdem: Beim Ausdruck längerer Texte oder kompletter Hefte kommt doch einiges Papier zusammen. Aufs Jahr gerechnet läppert sich das.

Trotzdem habe ich die analoge Papiermethode bislang beibehalten. Der Grund dafür ist simpel: Natürlich kann man auch am Bildschirm Korrektur lesen – aber nach meiner Erfahrung funktioniert es längst nicht so gut. Ich hab‘s ein paar Mal ausprobiert, hatte aber jedes Mal das flaue Gefühl, mehr Fehler zu übersehen als sonst (was sich letztlich auch bestätigt hat). Fakt ist: Beim Korrekturlesen am Monitor sinkt die Qualität meiner Arbeit beträchtlich.

Vielleicht liegt es an der Leseposition: Bei der Papierkorrektur schaut man in der Regel nach unten und blendet seine Umgebung weitgehend aus. Man fokussiert sich ganz automatisch auf das Blatt, das vor einem liegt. Verglichen damit ist die Körperhaltung beim Blick auf den Monitor offener, weniger hermetisch. Vermutlich lässt sich das Auge schneller ablenken, die Fixierung auf den Text geht verloren – und zack, schon hat man das fehlende Komma im dritten Absatz übersehen.

Aber ich werde es weiter probieren. Vielleicht bekomme ich es mit der Zeit ja in den Griff. Bis dahin allerdings muss die Agentur K1 damit leben, dass wir den Drucker noch nicht ganz aus unseren Hallen verbannen können.

Autor: Markus Buchenau